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Bildnerische Therapie

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© Mandalon Verlag 1996- 2006.

Bildnerische Gestalttherapie

Dipl. Psychologe Hans Jörgen Wevers
 

Gestalttherapie

Wahrnehmungsübungen

Bildnerisches Gestalten

Bildnerische Gestalttherapie

Bildnerische Gestalttherapie ist eine kreative Therapie. Sie ist eine konsequente und begründete Verbindung von kunsttherapeutischen Methoden, dem bildnerischen Gestalten mit gestalttherapeutischen Methoden. Der Begriff "Bildnerische Gestalttherapie" macht deutlich, welches die Ursprünge und die theoretischen Modelle sind, auf die sich diese Therapieform grundlegend bezieht; nach welchen Theoriemodellen der therapeutische Prozess methodisch begleitet wird und inhaltlich nachvollziehbar ist. Bildnerische Gestalttherapie ist nicht als Modifikation von Gestalttherapie oder Kunsttherapie, sondern als eine eigenständige kreative Therapieform zu sehen.

Den therapeutischen Rahmen bildet nicht nur das gestalterische Setting, das Malen und kreative Darstellen von persönlichen und transpersonalen Inhalten, sondern auch das Verstehen von entwicklungspsychologischen und gesellschaftlichen Zusammenhängen. Das Hier und Jetzt ist so wichtig wie die persönliche Geschichte, die Geschichte der Familie und der Gruppen aus denen die Klienten(Patienten) stammen und in denen sie sich jetzt befinden. Die Arbeit mit dem Klienten als Einzelperson hat immer die Dimension seines Lebenssystem mit in Betracht. Die therapeutische Arbeit mit dem einzelnen Klienten(Patienten) wird immer notwendiger Weise eine Arbeit mit dem gesellschaftlichen System des Klienten(Patienten) sein und wird nie ohne Auswirkungen auf das gesellschaftliche System und die Gruppen des Klienten bleiben. Es sind nicht nur die inneren Bilder, sondern auch die äußeren Bilder, die den Therapieprozess begleiten und in der Arbeit mit dem Klienten(Patienten) berücksichtigt und mit einbezogen werden müssen.
Ziel der Bildnerischen Gestalttherapie ist ein ganzheitliches Wachstum des Menschen. Sie will dort anregen, wo Wachstum unterbrochen wurde und will dort stützen, wo die Lebendigkeit zu mehr Lebensfreude führt. Sie kann die Energien befreien und in Fluss bringen, die sonst in destruktiven Verhaltensmustern eingeschlossen und blockiert sind.
Eine Besonderheit der Bildnerischen Gestalttherapie liegt in Gestaltung und der Behandlung innerer und äußerer Bilder. Bilder sind ein grundsätzlicher Bestandteil dieser Therapieform. Die projektive Arbeit der Gestalttherapie in der Form des so genannten "heißen Stuhles" findet sich wieder in der projektiven Arbeit mit dem Bild. Diese konsequente Arbeit mit den inneren und den äußeren Bildern führt dazu, dass die meisten Übertragungen des Klienten auf das Bild und nicht mehr auf den Therapeuten geschehen. Die gemalten oder imaginierten Bilder sind die therapeutischen Berührungspunkte zwischen Patient und Therapeuten, zwischen den Gruppenmitgliedern. Durch die übertragungsarme Therapiesituation kommt die reale Beziehung zwischen dem Therapeuten und dem Klienten im Therapieprozess entscheidend zum Tragen.
Um den inhaltlichen und methodischen Prozess der Bildnerischen Gestalt besser zu verstehen werden im Folgenden die Elemente der Gestalttherapie und der Kunsttherapie betont, die wichtige Grundlagen der Bildnerischen Gestalttherapie bilden.

Gestalttherapie

Die latenten Fähigkeiten eines Menschen sich optimal entfalten zu wollen, ist des Kernstück von Gestalttherapie. Es geht dabei nicht nur um ein BesserSein, sondern um ein MehrSein im Sinne von Lebensqualität. Dabei wird das SEIN gegenüber dem HABEN aufgewertet, ebenso wie sich das WISSEN gegenüber MACHT emanzipiert.

Die Gestalttherapie entwickelt eine ganzheitliche Perspektive des menschlichen Seins. Sie integriert gleichermaßen sinnliche, gefühlsmäßige, intellektuelle, soziale und spirituelle Dimensionen. Sie unterstützt den authentischen Kontakt mit anderen und mit mir selbst. Es werden die schöpferischen Anpassungen des Organismus an die Umwelt genauso bewusst wie das Erkennen innerer Mechanismen.

Es geht nicht darum die Ursprünge der Schwierigkeiten, der Störungen zu finden und zu erklären, sondern besonders darum, neue Lösungswege zu erproben. Nicht die Beschäftigung mit dem WARUM, die uns oft in quälende Gedanken und Gefühle führt, sondern das bewusste Fühlen des WIE bringt die notwendigen Veränderungen in Gang.

Für den Therapeuten ist die Begegnung mit seinem Gegenüber die Achtung dessen Persönlichkeit oberstes Ziel. Nicht der Therapeut bestimmt, was geschehen soll, sondern jeder arbeitet in dem Rhythmus und auf der Ebene, die ihm angemessen ist. Teilnehmer und Klienten erfahren in der Gestalttherapie den Therapeuten (Leiter) als einen Wissenden, der sein Wissen zu Ihrem Wachstum einsetzt und nicht um seine eigenes Machterleben zu fördern oder zu erhalten. Jeder ist für seine Handlungen und für seine Ausflüchte selbst verantwortlich. Der Gestalttherapeut achtet die Abwehr des Gegenüber und beginnt mit dem, was im Augenblick auftaucht: Egal was es ist, ob ein Gefühl, eine Sorge, das Erinnern an Altes oder bedrängende Zukunftsfragen.

Der Klient erfährt, dass es wichtig ist, was man mit ihm gemacht hat. Noch viel wichtiger aber ist, was er aus dieser Erfahrung macht oder gemacht hat. Er lernt sich nicht nur als Opfer, sondern mehr als Gestalter seiner Umwelt in seiner persönlichen Geschichte und seinem persönlichen Schicksal zu erfahren.

So kann sich jemand als Opfer einer Familie erleben und an dieser Sichtweise leiden. Er kann sich aber auch fragen, welche Aufgabe er in dieser Familie lösen wollte und wie er das bis heute bewältigt hat. Dazu Muss er sich intensiv mit den Lebensaufgaben und Lebensbewältigung seiner Eltern, seiner Familien, seiner Gemeinde und seines Landes befassen.

Es bilden sich die psychologischen Strukturen eines jeden Menschen in einer Gesellschaft immer in Abhängigkeit von den sozialen Beziehungen. Es kann sich der Einzelne nur im Spiegel, in der Atmosphäre seiner Umwelt erleben und erkennen. Es reicht nicht, nur dem Bezug zum Jetzt herzustellen. Das Jetzt ist immer Ausdruck von Geschichte, von Entwicklung und Stagnation sowohl in der persönlichen Ebene wie im Kollektiven.

Eines der wichtigsten Prinzipien der Gestalttherapie ist das FigurGrund Prinzip. Unter Gestalt wird dabei das verstanden, was sich von seiner Umgebung, seinem Hintergrund mehr oder weniger klar abgrenzen, abheben kann. Im psychischen Prozess heißt Figur bzw. Gestalt das, was das Zentrum unserer Aufmerksamkeit anzieht. Was unsere Aufmerksamkeit verliert, sinkt in den Hintergrund.

Was für den Moment für uns vordergründig, interessant, wichtig, Genuss versprechend oder sinnvoll ist bildet eine Figur, lässt alles andere zum Hintergrund werden. Durch diesen organismischen Vorgang werden Beziehung zu Objekten und Menschen in subjektiver Form gebildet. In der Sprache der Gestaltpsychologie ist die Bildung von vollständigen und umfassenden Figuren die Voraussetzung für psychische Gesundheit und psychisches Wachstum. Es muss alles immer wieder im Kontext des jeweiligen Hintergrunds gesehen werden. Das Ganze ist immer verschieden von der Summe der Teile. Erst das Zusammenspiel bildet die Figur, die Gestalt.

Gesundheit ist nicht das Fehlen von Krankheit bzw. Störung, sondern ein Zustand des körperlichen, geistigen und sozialen Wohlbefindens. Aufmerksamkeit, Konzentration, Interesse, BeteiligtSein sind Zeichen dafür. Das Normale ist nicht die Anpassung an alles, sondern die Fähigkeit, neue Normen zu erfinden. Um Neues erfinden zu können, müssen wir altes loslassen, verabschieden können. Das Neue liegt oft in der ungewohnten Kombination und Sichtweise von Bekanntem. Viele Menschen erleben sich als jemand, der in seine Familie hinein geboren ist. Eine andere und bestimmt ungewohnte Sichtweise wäre, dass man sich vor der Geburt diese Familie bewusst ausgesucht hat. Mit dieser Annahme können wir aktiver nach unserer Lebensaufgabe fragen, nachdem was wir in und mit dieser Familie in unserem Lebenszusammenhang bewältigen wollten.

Gestalttherapie ist eine Lebens- und Geisteshaltung, die uns einlädt, uns ganzheitlich mit unsere Umgebung zu erleben und uns als geschichtliches Wesen mit Vergangenheit und Zukunft zu begreifen.

Verwirrung, Langeweile, Zwänge, Angst, Stagnationen, Krankheiten, Krisen in Familie und Beziehungen veranlassen über Leben und Lebensführung nachzudenken. Manchmal ist es Diffuses was uns quält, manchmal sind es ganz konkrete Erinnerungen, Träume mit denen wir nicht klar kommen, zu deren Geschichten und Bildern wir keine Lösung finden.

Bei dem was uns bewusst ist, was wir wahrnehmen, können wir relativ schnell ansetzen und herausfinden, warum und wie wir unsere Entwicklung, unseren inneren Wunsch uns zu verändern anhalten, nicht leben. Schwieriger ist es für die Teile, zu denen wir zunächst keinen bewussten Zugang haben. Hierfür hat die Gestalttherapie einige Techniken bereit:

Wahrnehmungsübungen:

Was machst Du gerade ?

Was fühlst Du jetzt ?

Was vermeidest Du gerade ?

Was willst Du, was erwartest Du gerade jetzt von mir ?

der leere Stuhl, das leere Kissen

Übertragungsobjekt

Dialog mit Personen, eigenen Anteilen

Dialog zwischen tatsächlichen und eingebildeten Beziehungen

Darstellen / Durchagieren

absolute Voraussetzung hierfür ist die Vereinbarung:

kein Ausagieren von offener Gewalt,

kein Ausagieren von Sex.

Erlaubt ist kontrollierte Aggressivität und Zärtlichkeit.

es werden Gefühle mobilisiert

es wird der Körper mobilisiert

es werden verschwommene, vergessene, verdrängte Gefühle oder auch bekannte Gefühle empfunden und erforscht

Monodrama - Bühnenarbeit

es werden Rollen gespielt, Personen dargestellt, Szenen aufgeführt,

es werden neue und alte Verhaltensmuster im Spiel sichtbar gemacht und ausprobiert

Polaritäten

Gegensätze werden als lebendige Kraft und nicht als Stagnation oder Blockierung wahrgenommen.

Gegensätze werden als gleichzeitig wahrgenommen, empfunden und zugelassen.

So ist es möglich den gleichen Menschen gleichzeitig zu lieben und zu hassen
Es darf keine statische Mitte zwischen den Gegensätzen gesucht werden, denn das führt letztlich zur Stagnation.

Verstärkung

von der Oberfläche in die Tiefe, was sich im Innern abspielt, kann außen beobachtet werden

kleine Regungen, latente, emotionale Äußerungen werden aufgegriffen und verstärkt

laut sagen

in der Runde sagen

das direkte Ansprechen

zu .... und nicht über... sprechen fördert den authentischen Kontakt

Traumarbeit

erzählen von Träumen, Traumfetzen

darstellen von Träumen

Identifizieren mit Traumanteilen

metaphorischer Ausdruck

Symbole, Metaphern, Bilder

körperliche Nähe

körperliche Nähe als therapeutisches Mittel

Massage

Die aufgezählten Techniken haben keinerlei Wert an sich. Der Therapeut (Leiter) verhält sich aktiv und nicht direktiv. Er entscheidet sich immer für ein bestimmtes Vorgehen, nicht weil es keine andere Möglichkeit gibt, sondern weil der Weg, die Technik als der gangbarste Weg und für Klienten (Patienten) am wenigsten entfremdend erscheint. Alles geht nur darum, den Klienten zu einer vertieften Selbstannahme seiner selbst und seiner familiären Geschichte zu führen.

Bei jedem Menschen gibt es ein tiefes, körperlich verankertes Wissen darüber, wie er als Kind gelebt hat. So wie er jetzt in seiner Körperlichkeit lebt, ist das eine sinnvolle und verstehbare Antwort auf Familiensituationen in der Kindheit. Alle emotionalen und psychosomatischen Reaktionen sind Antworten auf Lebensbedingungen, die zu bewältigen waren. Die Antworten waren damals für das Überleben und die Sicherheit in den Kindheitsfamilien unbedingt notwendig, passend und sinnvoll. Diese alten Überlebensmuster anzuerkennen als etwas Wichtiges und Sinnvolles bedarf meistens der Unterstützung und Akzeptanz des Therapeuten(Leiter), bevor der Klient diesen Schritt selber machen kann. Es verlangt ein sanftes und geduldiges Vorgehen innerhalb der Therapie.

Vieles muss auf dem therapeutischen Weg sichtbar, aufgedeckt und angenommen werden. Eine große Hilfe hierbei ist der zweite Schwerpunkt der Bildnerischen Gestalttherapie das bildnerische Gestalten.

Bildnerisches Gestalten

Beim Gestalten geht es primär darum, inneren Bildern eine sichtbare Form zu geben. Bildnerisches Gestalten wird primär als Ausdruck des Psychischen gesehen und verstanden. Dies kann auf die verschiedenste Weise geschehen. Gestalten ist hierbei also nicht auf das Malen von Bildern eingeschränkt, sondern meint jede Form von Gestalten, die Inneres für einen anderen sichtbar, erfahrbar werden lässt. Insofern sind die Inhalte, die fürs Malen beschrieben werden auch auf andere Darstellungstechniken übertragbar. Es ist eines der grundlegendsten Ziele des Gestaltungsprozesses, das Gestaltete in seiner Darstellungsqualität und seinem Inhalt zu erkennen und zu benennen. Daran kann sich eine Phase der Wandlung und der Entwicklung anschließen.

Die wichtigste Person beim bildnerischen Gestalten ist der Maler im Klienten. Es ist der Anteil der Person, der die Wahrheit intuitiv erfasst und im Bild ausdrückt. Durch die Konfrontation mit dem Bild erkennt der Maler die Wahrheit. Auch wenn er vielleicht zunächst die Wahrheit über sich verdrängt, sie nicht anerkennen will und alle Bemühungen abwehrt, will er die Wahrheit untergründig doch wissen.

Im gestalteten Bild zeigt sich Psychisches. In dem es sich im Bild objektiviert, bekommt es eine Spiegelfunktion und konfrontiert den Maler mit den dargestellten psychischen Anteilen. Das Bild enthält Anteile der inneren und der äußeren Welt, die dem Malenden bisher in dieser Form so fremd waren. Im bildnerischen Prozess eignet sich der Malende das Fremde an, was mit einem Zuwachs an seelischer Kraft verbunden ist. Es ist aber nicht das Aneignen alleine, in dem der Malende etwas malt, schafft er auch gleichzeitig eine Distanz. Dies ist besonders entlastend bei bedrohlichen Inhalten.

Der bildnerische Prozess gelangt durch seine objektive Konfrontation sehr viel schneller als Worte zu primären Inhalten. Er unterliegt ähnlich wie der Traum weniger der inneren Abwehr. Die einzige Abwehr, die der Klient machen kann ist, nicht zu malen. Hat er mit dem Gestalten begonnen, kann er sich noch hinter seiner malerischen Unfähigkeit verstecken. Sätze wie, "ich kann nicht malen", "das wusste ich nicht, wie das darzustellen ist" sind keine Seltenheit in der Anfangsphase. Der Klient merkt aber sehr schnell, dass die Bilder so wie sie sind, einen ganz persönlichen Ausdruck von ihm darstellen.

Mit Hilfe der Bilder können wir selbst und andere besser verstehen. Im Bild will die Psyche das Wesen der Persönlichkeit mitteilen. Der Kontext aktueller Probleme wird im Bild sichtbar. Der Malende bewegt sich aus dem FühlSystem ins SehSystem, er wird "weiter": er gewinnt Überblick und Abstand. Vernachlässigtes, Abgespaltenes, Verdrängtes wird ins Bewusstsein geholt, Stärkendes und Heilsames bewahrt.
Malen stellt neue Verknüpfungen her und löst die Bindungen an alte Verknüpfungen. Durch neue Formen werden Ursachen des Symptoms symbolisiert und dadurch bearbeitbar. Energie, die blockiert war, kommt beim Malen in Fluss. Der Gestaltungsprozess ist immer auch ein Strukturierungsprozess. Das ICH ordnet sich. Wer malt, legt sich fest und schafft ein Dokument, das sich betrachten und über das sich mit anderen reden lässt. Sowohl über das Auge als auch über die Sprache können Bildinhalte integriert werden. Scheinbar Unerträgliches wird Schrittweise entschärft und verarbeitet. Der Malende bringt immer auch Problemlösungsmöglichkeiten ins Bild. Der Umgang mit den Bildern erweitert das psychotherapeutische Spektrum um eine nonverbale Dimension.

Diese Fähigkeit besteht potentiell in jedem Menschen, ungeachtet sonstiger Störungen der Persönlichkeit, als psychische und geistige Möglichkeit. Bildnerische Gestalttherapie geht vom Bild des Klienten aus. Danach ist sie an Änderung der Bilder, die im Idealfall die optimale Lösung zeigen, beteiligt.

Die Veränderung der Bilder geschieht:

durch nicht - bildnerische Interventionen des Therapeuten

auf der Bildebene direkt, d.h. die Interventionen sind auf den Gestaltungsprozess selbst gerichtet und versuchen, anstelle einer verbalen Deutung oder Interpretation im bildnerischen Prozess selbst eine Lösung vorzuschlagen bzw. den Klienten finden zu lassen.

Im Bild zeigen sich nicht nur die Probleme des Klienten deutlich, sondern auch das Potential, die Probleme zu lösen. Die Ressourcen sind das Potential, das der Klient in sich trägt und zum Teil nicht lebt oder verwirklicht. Dazu verhilft ihm der Therapeut. Er ermöglicht die Entstehung des Bildes. Er hilft dem Klienten über das Bild das Wesen und seinen Zustand als Malender zu erkennen.

Die Aufgabe des Therapeuten ist zwischen dem Malenden und dem Bild zu vermitteln.:

auf der Ebene des Prozesses, indem er die Entfaltung des Ausdrucks und der Darstellung unterstützt.

    Die Leinwand, das Papier wird zu Projektionsfläche und zum Übertragungsobjekt des inneren Dramas, der Widersprüche, Konflikte, Sehnsüchte, Kämpfe und Versöhnungsversuche. Der bildnerische Prozess ist ein Teil des lebenslangen Aneignungsprozess von Außen- und Innenwelt. Krankheit könnte man aus dieser Sichtweise als Unterbrechung dieses Aneignungsprozesses definieren.

Die therapeutische Wirkung liegt nicht im bildnerischen Prozess alleine, sondern in der Verbindung mit dem dialogischen Prinzip. Dialog mit dem Bild, mit dem Therapeuten und gegebenenfalls mit der vorhandenen Gruppe. Der Therapeut ist beim dialogischen Prozess stets der Vermittler zwischen Bild und Malendem und bietet sich nur bedingt als Träger des Übertragungsgeschehen an. Er nützt nach Möglichkeit das Bild als Projektionsfläche und Übertragungsobjekt und nicht sich selber.

Dabei unterscheidet der Therapeut im Sinne von C.G.Jung

die individuelle Ebene,

    auf dieser Ebene können persönliche Strukturdefizite zugänglich und die persönliche Geschichte bearbeitet werden.

die archetypische, kollektive Ebene,

auf dieser Ebene werden durch den schöpferischen Prozess Phantasiebilder angeregt, die mythische Dimensionen erfassen und aus dem Allgemeingut der Menschheit schöpfen.

Die Integration (vgl. C.G.Jung) beider Ebenen ist das Ziel. Was nicht erlebt wird, kann auch nicht gemalt werden. Die gestalterische Darstellung wird nicht durch die malerischen Fähigkeiten, sondern vom inneren Erlebnisspektrum des Malenden gekennzeichnet.

Der bildnerische Therapieprozess hat folgende Merkmale:

Strukturbildung - Ich - Integration Entdeckung neuer Strukturen

Unstrukturierte Situation ist das weiße Blatt oder der Ton

Strukturhilfe ist :

Themenstellung

bestimmte Materialien

  • der Klient bildet im Prozess eine neue, einmalige Struktur
  • der Therapeut muss ein Klima schaffen, das es erlaubt, die Strukturierung, die bisher nicht statt gefunden hat, nach zu holen.

Integration von Gegensätzen

auf der Farbebene

im abstrakten Bild

Der bildnerische Prozess versöhnt und integriert die Gegensätze. Er hebt die Gegensätze nicht auf, sondern bringt sie in ein dynamisches Gleichgewicht.

Aufhebung der Abspaltung

Durch das Darstellen der abgespaltenen Anteile, werden sie sichtbar und die Abspaltung beendet.

Verbindende Kraft der Bilder

Der Klient lebt in erster Linie seine negativen Kräfte und verhindert dadurch Beziehung zu sich und seiner Umwelt. In seinen Bildern sind auch positive Elemente enthalten, die einem Zerfall seiner Persönlichkeit entgegenwirken. Der Therapeut nimmt die Bilder in seiner ganzen Unverträglichkeit an. Über die Bilder entdeckt er die positiven Seiten des Klienten.

Abgrenzung im Bild

Wunscherfüllungen fließen mit ins Bild. Mit den Entdeckungen neuer Formprinzipien bekommen sie Gestalt und sichtbare Grenzen.

Bild als positiver Anker

Der kreative Prozess erzeugt positive Gefühle und Bilder.

Abwehr-Zielvorstellung

Die Bildserie im Therapieprozess führt zum ursprünglichen Trauma und zur ursprünglichen Sehnsucht. Oft sind mit den Bildern die dazugehörigen Affekte und Emotionen verbunden, während die Erinnerung langsam dazu geholt werden muss. Es tauchen verdrängte und abgespaltene Impulse auf, die im Malprozess wiederbelebt werden. Der Wiederbelebungsprozess verläuft ganzheitlich. Nicht gelebte Anteile werden integriert und innere Quellen werden aktiviert. Nach einer Phase von Bedürfnis und Akzeptanz folgt Wachstum und Selbstverwirklichung.

Bildnerische Gestalttherapie

Zum wesentlichen Bestandteil Bildnerischer Gestalttherapie gehört die konsequente und methodisch begründete Anwendung gestalttherapeutischer und kunsttherapeutischer Methoden. Der gestalterische Prozess, der in jedem Therapieschritt vorkommt, kann spontan ohne Thema sein, kann eine Auseinandersetzung mit einem gestellten Thema oder auch eine Verdeutlichung einer gemachten Erfahrung (Übung) sein. Die gestalttherapeutischen Aufarbeitung des gestalterischen Prozesses bedeutet die Impulse der rechten Gehirnhälfte mit den Impulsen der linken Gehirnhälfte zu integrieren und zu einer Gesamtgestalt zu vereinen. Hierbei wird Widersprüchliches, Paradoxes nicht aufgehoben, sondern als wichtige Lebensqualität wahrgenommen und für die Lösung verkrusteter Strukturen genutzt. Der Leiter (Therapeut) gibt eine Unterstützung für alle Schritte hin zu einer vertieften Bewusstheit und realerem Kontakt mit sich und der Umgebung.

Es geht darum, das offensichtliche aus dem Bild in das Bewusstsein zu bringen, im Offensichtlichen zu bleiben und die Selbstentdeckung des Malenden zu fördern. Was das Offensichtliche ausmacht, ist abhängig von der Beobachtung des Therapeuten (Leiter) im Bild, an sich selbst und am Klienten. Hinzu kommen die Mitteilungen des Klienten (Patienten) über sich, seine subjektive Bilder- und Weltsicht.

Vor allem für den Neuaufbau eines inneren Unterstützungssystems werden gestalterische Bilder, Imaginationen und Vorstellungen benutzt. Das Bild von "guten Eltern", von "Tieren", als unterstützend erlebte Fabelwesen werden dabei verwendet. Hierbei wird die kreative Seite unseres rechtshemisphärischen Gehirns aktiviert und in symbolischer Form dem Bewusstsein zugänglich gemacht.

Das Ziel der Bildnerischen Gestalttherapie ist, die Vergangenheit durchzuarbeiten, sich davon zu lösen und sich zu reorganisieren, so dass wir voller in dieser Welt leben können, zentriert in uns selbst, zugleich fähig, mit anderen in Kontakt zu treten. Im Kontakt mit Menschen ist es wichtig die vielen Bereicherungen die Mitmenschen und die Welt anbieten, in uns aufzunehmen.

Entscheidend für einen Therapieerfolg, ein Weiterwachsen der Person ist letztlich, ob es gelingt die inneren und äußeren Bilder von der Welt, den Mitmenschen in der Person des Klienten(Patienten) zu verändern. Äußere und innere Bilder werden immer wieder hinterfragt. Nur wenn den inneren und äußeren Bildern vom Klienten(Patienten) und seiner Umwelt eine Chance gegeben wird sich zu verändern, verändern sich die beteiligten Menschen mit.

Literatur:

Alpert, Stuart W., What To Do Until Enlightenment, Ablex Publishing, New Jersy, 1991

Ginger, Serge, Gestalttherapie Beltz Psychologie-Verlag-Union, Weinheim, 1994

Tomalin, Elisabeth, Schauwecker Peter, Interaktionelle Kunsttherapie und Gestaltungstherapie in der Gruppe, Claus Richter Verlag, Köln, 1989

Schmeer, Gisela, Krisen auf dem Lebensweg, Psychoanalyatisch-systemische Kunsttherapie, J.Pfeifer, München, 1994

Schottenloher Getraud, Das therapeutische Potential spontanen bildnerischen Gestaltens unter besonderer Berücksichtigung körpertherapeutischer Methoden, Dissertation, Hartung Gorre Verlag, Konstanz, 1989

Staemmler, Frank-M, Therapeutische Beziehung und Diagnose, J.Pfeifer Verlag, München, 1993

 Praxis Dipl.Psychologe Hans Jörgen Wevers  


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